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Huawei redet Klartext über die Zukunft

Matthias ZellmerMatthias Zellmer - 22 Oct, 2019

Der chinesische Netzwerk-Ausrüster und Smartphone-Hersteller Huawei steht unter starken Beschuss der USA. Nach dem erteilten Embargo, mit US-Herstellern, kann Huawei auf seinen Smartphones keine Google-Dienste und -Anwendungen vorinstallieren. Dies hat derart weitreichende Folgen, das Huawei darauf verzichtet die Smartphones wie beispielsweise das Huawei Mate 30 und Mate 30 Pro, in Europa zu verkaufen. Nun meldet sich Gründer und CEO Ren Zhengfei erneut zu Wort und klärt über die Zukunftspläne von Huawei auf.

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Trotz des US-Embargos kann Huawei 2019 einen Gesamtwachstum von 44 Prozent verzeichnen. Fairerweise muss aber auch der Umsatzeinbruch von knapp 10 Milliarden US-Dollar genannt werden, den der Handelskrieg zwischen den USA und China am Ende Huawei kostet. Der Masterplan sah relativ früh ein eigenes Betriebssystem vor, mit dem Huawei sich dem Druck der USA entgegenstellen wollte. Und tatsächlich hat das chinesische Unternehmen mit HarmonyOS ein solches Betriebssystem veröffentlich.

Dieses läuft aber aktuell nur auf einem smarten TV des Unternehmens. Eine Verfügbarkeit für Smartphones gibt es jedoch nach wie vor nicht. Man könnte behaupten, dass Huawei geblufft hat und verloren. Also entschied sich Gründer und Geschäftsführer Ren Zhengfei zu einer einschneidenden Maßnahme: Die von US-Präsident Donald Trump als Sicherheitsbedrohung eingestufte LTE-5G-Technologie an ein US-Unternehmen zu lizensieren. Also komplette Einsicht in alle Geheimnisse von Huawei und die Möglichkeit für US-Unternehmen auf Basis dieser Informationen den 5G-Ausbau in den USA selbst zu übernehmen.

Das klingt nach einer Lösung, wogegen selbst Donald Trump und das US-Handelsministerium keine Einwände haben dürfte. Doch solch ein Deal ist nicht so schnell in Sack und Tüten. Und die USA wird sich auch nicht aufgrund derartiger Zukunftspläne umstimmen lassen. Ren Zhengfei bestätigte gegenüber Reuters erste Gespräche und Interesse von US-Unternehmen, doch bis zur Vertragsunterzeichnung sei es noch ein weiter Weg. Unabhängig davon, dass auch das US-Kartellamt (Federal Trade Commission) dieser Lizensierung erst zustimmen muss.

Was bedeutet das für Europa?

Huawei hatte sicherlich gehofft, dass aber genau das geschehen würde und das Huawei Mate 30 (Pro) vorerst nur in China veröffentlicht, um ein wenig später die Smartphones doch noch mit Google-Diensten hierzulande zu verkaufen. Denn die Flaggschiff-Smartphones ohne den Google Play Store, Gmail oder der Kontakt- und Kalender-Synchronisation (so wie in China) in Europa zu verkaufen, scheint auch Zhengfei als wenig erfolgsversprechend.

HarmonyOS ist noch längst nicht soweit und wird es auch entgegen ersten Ankündigungen nicht so schnell werden, so Zhengfei. Ein eigenes Ökosystem zu etablieren wird nicht in der angestrebten Zeit möglich sein. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Huawei nach wie vor die Freigabe zur Nutzung der Google-Dienste anstrebt. Bis das jedoch passiert, wird das Unternehmen auf Basis bereits erteilter Lizenzen Smartphones für Europa produzieren. Mit den Google-Anwendungen versteht sich.

Huawei nutzt bereits erteilte Lizenzen

Denn genauer betrachtet gibt es hier viel Spielraum für Huawei und seinem Tochter-Unternehmen Honor. Bestes Beispiel ist das Honor 9X, welches mit Google Anwendungen hierzulande erscheinen wird, aber eigentlich nur ein leicht modifiziertes Huawei P Smart Z ist, dessen technische Daten und Maße auf den Millimeter übereinstimmen. Gleiches gilt für das Huawei Nova 5T, das im Grunde ein Honor 20 ist. Hoffen wir also auf eine schnelle Einigung zwischen Huawei und den USA, damit es dann auch mal wieder komplett neue Huawei-Smartphones bei uns gibt.

Quelle: Reuters

 

Google-Dienste Huawei Ren Zhengfei US-Embargo

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