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Xiaomi Mi Note 10 im Test: Wie gut ist die 108-MP-Penta-Kamera?

Matthias ZellmerMatthias Zellmer - 10 Dec, 2019

Der chinesische Smartphone-Hersteller präsentiert im Xiaomi Mi Note 10 als erstes den gemeinsam mit Samsung entwickelten 108 Megapixel ISOCELL Bright HMX Bildsensor in einer Penta-Kamera. Doch handelt es sich bei der besonders hohen Auflösung nur um reines Marketing oder erwartet uns hier eine der besten Smartphone-Kameras am Markt. Unser ausführliche Test wird es beweisen.

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Wem der chinesische Hersteller Xiaomi bereits ein Begriff ist, wird automatisch Flaggschiff-Smartphones zu einem unverschämt günstigen Preis assoziieren. Smartphones wie das Pocophone F1 oder das Xiaomi Mi 9, beziehungsweise Mi 9T Pro haben das zuletzt eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch bei dem Xiaomi Mi Note 10 scheint der Hersteller eine neue Strategie zu fahren. Zum einen ist die unverbindliche Preisempfehlung von 549 Euro längst kein gewohntes Schnäppchen mehr und auch technisch gesehen muss das Kamera-Wunder ein paar Federn lassen.

Design und Verarbeitung

Das Xiaomi Mi Note 10 ordnet sich mit seinem Glas-Design dem typischen Aussehen gegenwärtiger Smartphones ein. Auf der Front ein 3D-Curved-Display übergehend in einen Metallrahmen, den sensible Finger durchaus spüren. Oben am Telefon-Lautsprecher würde ich sogar von „scharfkantig“ reden. Tasten und SIM-Slot aus Metall sind komplett auf der rechten Seite angeordnet und bieten eine gute Position, als auch einen satten Druckpunkt.

Auf der Rückseite erwartet uns „die“ Penta-Kamera, welche links oben vertikal angeordnet ist. Doch diese gibt sich optisch nicht gleich als eine Solche zu erkennen, da nur drei der fünf Kameras in einer Einheit knapp 3 Millimeter aus dem Gehäuse Luken. Ebenfalls mit scharfer Kante. Daneben gleich vier LED-Blitzlichter, davon zwei speziell für eine „softe“ Ausleuchtung.

Unser Testmuster haben wir in der Farbe Schwarz (Midnight Black) erhalten, was gelinde gesagt, aufgrund des Corning Gorilla Glass 5 ein wahrer Fingerabdruck-Magnet ist. Zur Verteidigung muss ich allerdings auch benennen das Gerät in Weiß (Glacier White) gesehen zu haben und dieses scheint eine Art Perlmutt-Finish zu haben, auf dem der Abdruck eher weniger bis gar nicht zu erkennen ist. Als dritte Farbe bietet Xiaomi das Mi Note 10 in Aurora Green an. Der Übergang von die Rückseite zum Metallrahmen ist – warum auch immer – gelungen und weder scharfkantig noch überstehend.

Die Ober- und Unterseite ist plan gestaltet, sodass Freunde der ruhigen Hand das Smartphone sogar Hochkant zum Stehen bekommen. Kein wichtiges Kriterium, aber ein Design-Merkmal, welches ein wenig an das Huawei P30 Pro erinnert, wie im Grunde die Rückseite auch. Oben finden wir neben einer der beiden sichtbaren Mikrofon-Öffnungen einen Infrarot-Blaster. Nützlich für diejenigen, die über ihr Smartphone die HiFi-Anlage oder den TV steuern wollen.

Auf der Unterseite gibt es von links nach rechts die Bohrungen für den Mono-Lautsprecher, die zweite Mikrofon-Öffnung, einen USB-Typ-C-Port und eine 3,5 Millimeter große Klinkenbuchse für einen Stereo-Kopfhörer oder Headset.

Mit 208 Gramm zählt das Android-Smartphone mit Sicherheit nicht zu den Leichtgewichten. Doch dazu beim Thema Akku mehr.

Display

Das Xiaomi Mi Note 10 ist mit einem 6,47 Zoll großen AMOLED-Display ausgestattet, welches rechts und links einen runden Abgang bietet. Die Auflösung beträgt 2.340 x 1.080 Pixel bei 398 ppi. Die maximale Helligkeit liegt kurzzeitig bei 600 Nits, ansonsten 430 Nits. Das ist ausreichend, um auch draußen unter direkter Sonneneinstrahlung das Display noch ablesen zu können.

Auch sonst bietet der Bildschirm eine gute Darstellung von Farben, Dynamik und Kontrast. Die Blickwinkel-Stabilität bewegt sich im oberen Mittelmaß, gegenüber dem Wettbewerb. Es bietet zusätzlich unterschiedlich dynamische Farbprofile und auch ein Lese- und Nacht-Modus ist dem Smartphone nicht unbekannt. Widevine Level 1 wird für Netflix und Amazon in HD-Auflösung ebenfalls unterstützt.

Auch wenn Xiaomi bei der Wahl des Prozessors eine Game-orientierte Lösung bietet, ist das Display anhand seiner Bildwiederholungsfrequenz nicht zwingend für das Gaming ausgelegt. Weder 90 noch 120 Hertz werden unterstützt, sondern wie bei den Mitbewerbern die üblichen 60 Hz.

Unter dem Display-Glas befindet sich ein Fingerabdruck-Sensor, der während unserer 2 Wochen Testphase schnell und zuverlässig funktionierte. Oben gibt es eine Tropfen-förmige Notch, in der sich die 32-Megapixel auflösende Frontkamera befindet. Diese bietet eine Blende von f/2.0 und kann Videos mit maximalen 1080p bei 30 Bildern pro Sekunde aufzeichnen. Praktisch das Auslösen eines Fotos via Handgeste.

Auf eine Benachrichtigungs-LED verzichtet Xiaomi bei dem Note 10 komplett. Dafür gibt es ein Always-On-Display, dass Xiaomi typisch mit gewagten Styles daherkommt.

Kamera

Kommen wir nun zu dem Thema, dass vermutlich das meiste Interesse geweckt hat – die 108-Megapixel-Penta-Kamera. Eine Fünffach-Kamera gab es zuvor schon bei dem Nokia 9 PureView, kam aber nicht wirklich beim Endverbraucher gut an. Beim Note 10 von Xiaomi ist diese links oben vertikal angeordnet. Von oben nach unten eine 5-Megapixel-Telefoto-Kamera (OIS) mit einem 5-fachen verlustfreien, 10-fachen Hybrid- und 50-fachen digitalen Zoom. Hier kann die Kamera schon Dinge einfangen, die mit dem menschlichen Auge nicht zu erkennen sind. Die Qualität lässt hier verständlicherweise proportional zur Vergrößerung rapide nach.

Weiter geht es mit einem 12-Megapixel-Portrait-Kamera für den Bokeh-Effekt (Tiefenunschärfe), gefolgt von „der“ 108 Megapixel auflösende „Ultra High-Resolution“-Kamera. Hierbei handelt es sich um den gemeinsam mit Samsung entwickelten ISOCELL HMX Bright-Sensor. Ausgestattet mit einem optischen 4-Achsen Bildstabilisator, bietet dieser im Quintett die beste Blende mit f/1.69.

Zu guter Letzt haben wir noch eine 20-Megapixel-Weitwinkel- und eine 2-Megapixel-Makro-Kamera. Der Weitwinkel bietet eine Sichtweite von 117 Grad bei einer Blende von f/2.2. Doch was bietet das auf dem Papier beeindruckende Array? Kann sie vielleicht den Klassenprimus Huawei Mate 30 bei DxOMark schlagen?

Was die französischen Experten von der Mi Note 10 Kamera halten, können wir noch nicht sagen, da deren Test noch nicht vorliegt. Doch wir sind sichtlich beeindruckt. Zumindest was die Ergebnisse bei Tageslicht anbelangt. Auch Xiaomi bedient sich für die 108 Megapixel dem Pixel-Binning, was 4 Bilder übereinander legt und so auf klassische 27 Megapixel pro Foto kommt. Also doch nur ein Marketing-Trick? Die Ergebnisse können sich zumindest sehen lassen.

Noch detailreicher wird es nur noch, wenn man die tatsächlichen 108 Megapixel erzwingt. Ja – das geht! Dafür gibt es im Kamera-Menü auch einen separaten Button. Aber auch im Pro-Modus steht die Option zur Verfügung. Hier muss aber schon zum Vergleich der PC mit einer hohen Vergrößerung bemüht werden, um die Unterschiede mit dem bloßen Auge zu erkennen. Dennoch können wir diesen Modus nur in Extrem-Situationen empfehlen. Denn hier wird schnell der zu schwache Prozessor deutlich, der schon einmal für den Foto-Rechenprozess 5 Sekunden in Anspruch nehmen kann. Generell bin ich mir unsicher mich dazu verleiten zu lassen, hier von der bis dato besten Kamera in einem Smartphone zu sprechen. Aber es ist schon verdammt nah dran.

Wer nun vermutet hat, wir würden wie fast immer von schlechten Low-Light-Ergebnissen berichten, dem dürfen wir an dieser Stelle in der Tat widersprechen. Auch hier kann die Penta-Kamera überzeugen. Zwar zahlt auch hier die CPU ihren Tribut, aber die Nacht-Aufnahmen überzeugen auf ganzer Linie. Viel Detail, Kontrast und Farbtreue. Den typischen Pixelmatsch in den dunklen Bereichen haben wir vergeblich gesucht. Dem gegenüber steht allerdings auch, dass Nachtfotos unnatürlich aufgehellt werden. Hier wird sprichwörtlich die Nacht zum Tag gemacht. Da aber auch bei der Penta-Kamera des Note 10 RAW-Fotos erstellt werden können, lässt sich dieses Manko mit Photoshop relativ schmerzfrei am Original beheben.

Zu guter Letzt will ich auch noch ein, zwei Worte zu der Weitwinkel- und Makro-Kamera berichten. Letztere ist etwas umständlich im Pro-Modus zu finden. Ob es tatsächlich diese Kamera gebraucht hat, ist schwer zu beurteilen. Andere Smartphones liefern ebenfalls sehr gute Nah-Aufnahmen. Sei es drum, egal ob Weitwinkel, Ultra-Weitwinkel oder Makro, in allen Fällen gibt es nicht zu bemängeln und große Detailfreude macht sich breit.

Alles in allem ist die Kamera nicht nur auf dem Datenblatt ein Referenz, sondern auch deren Ergebnisse können auf ganzer Linie überzeugen.

Video

Dennoch gibt es auch Kritik. Tatsächlich hat uns die Qualität der Video-Kamera nicht so überzeugt, wie der zuvor gepriesenen Foto-Erfolg. Ultra-HD (4K) Videoaufzeichnungen bei 60 Bildern pro Sekunde, gehören in der Klasse wo sich das Mi Note 10 augenscheinlich bewegt, von Hause aus dazu. Hier sind es lediglich 30 Bilder pro Sekunde. Auch die Tonaufnahmen haben uns ein wenig erschreckt. Woran die schlechte Qualität genau liegt, wissen wir nicht. Die Bildstabilisierung hingegen und auch die Video-Qualität ist wieder gut.

Prozessor und Speicher

Vieles deutet beim Xiaomi Mi Note 10 auf ein Flaggschiff hin. Der verbaute Prozessor jedoch nicht. Hierbei handelt es sich um einen Snapdragon 730G Octa-Core-Prozessor. Das G steht für Gaming, was nur bedingt seine Berechtigung hat. Zwar wird es kaum mobile Spiele geben, die der Prozessor nicht meistern wird, bleibt aber dennoch nur Mittelklasse.

Am deutlichsten wird dieses bei einem AnTuTu-Benchmark. Hier bringt der 730G knapp 250.000 Punkte. Mein OnePlus 7 Pro bringt hier 450.000 auf das Tableau. Das Asus ROG Phone 2 mit einer Snapdragon 855 Plus, sogar 480.000 Punkte.  Ich weiß, dass sind nur Referenzwerte, decken jedoch am einfachsten die Unterschiede auf.

Natürlich reicht ein Snapdragon 730G gemeinsam mit 6 GB LPDDR4x RAM, 128 GB internen Programmspeicher und einer Adreno 618 GPU komplett für den Alltag aus. Aber in ein Flaggschiff – worauf die restlichen technischen Daten auch hinweisen – gehört kein Qualcomm SoC (System on a Chip) der 7er-Serie.

Multimedia und Software

Auf unserem Testgerät befindet sich Android in der Version 9 Pie, gemeinsam mit dem MIUI 11.0.10. Auch viele Jahre nach der Gründung von Xiaomi kann das chinesische Unternehmen nicht seine heimliche Liebe zu Apple verbergen. Wenngleich das früher aufgrund identischer Icons und sogar Smartphone-Designs nicht zu verheimlichen war, finden wir auch noch heute viele Erinnerungsstücke in unserem Smartphone.

Der klassische Beweis ist der nach wie vor in Europa fehlende App-Drawer. Bereits schon in Beta-Versionen und China gesichtet, findet er in unserem Note 10 noch keinen Einsatz. Alle Anwendungen müssen auf den Desktop-Seiten angeordnet werden. Und bei Xiaomi gibt es davon einige ab Werk vorinstalliert (10 Bloatware-Anwendungen). Doch hier müssen wir vermutlich dem Unternehmen noch ein wenig Zeit geben, sich dem europäischen Geschmack anzupassen. Ist man doch erst seit diesem Jahr in Deutschland tätig.

Komplett MIUI zu zerreißen wäre aber auch nicht gerecht. Es finden sich auch viele nützliche Einstellungen an Bord, wie beispielsweise das Zweitkonto oder das Bereinigungstool. Android kann das zwar selbst auch schon ganz gut, ein beruhigendes Gefühl gibt so eine Reinigung am Ende aber doch.

Akku

Der Akku des Xiaomi Mi Note 10 bietet eine Kapazität von satten 5.260 mAh. Das ist schon eine ordentliche Hausnummer. Leider macht sich das im täglichen Gebrauch nicht so recht bemerkbar. Klar, das Smartphone schafft schon seine zwei Tage ohne an die Steckdose zu müssen. Aber - keine Ahnung – habe ich bei der Kapazität mehr erwartet. Über Nacht können sich schon einmal 8 Prozent der Kapazität in Luft auflösen. Ein entsprechendes Software-Update kann hier aber schon Wunder bewirken.

Auch das gerade für Autobesitzer (mit Qi-Technologie in der Mittelkonsole) beliebte kabellose Aufladen, wird von dem Xiaomi Mi Note 10 nicht unterstützt. Dafür ist ein 30-Watt-Netzteil im Lieferumfang, was für einen schnellen Ladezyklus sorgt. Der riesengroße Akku lässt sich so binnen 80 Minuten einmal komplett aufladen.

Das Fazit des Xiaomi Mi Note 10

Zwei Stolpersteine legt uns das Xiaomi Mi Note 10 in den Weg. Zum einen der für das chinesische Unternehmen „hohe“ Preis von 549 Euro und zum anderen ein verbauter Mittelklasse-Prozessor. Manch ein Neukunde weiß vielleicht nichts von der preiswerten Vorgeschichte des Unternehmens und wird sich angesichts horrenden Apple- und Samsung-Preisen nicht weiter daran stören.

Der Snapdragon 730G kann jedoch bei dem Killer-Feature des Xiaomi-Smartphones schon einmal kurzzeitig den Spaß verderben. Die Rede ist vom Fotografieren mit der 108-Megapixel-Penta-Kamera. Diese macht nicht nur auf dem Datenblatt eine überragende Figur, sondern liefert auch tatsächlich das was sie verspricht.

Wer also viel und häufig mit dem Smartphone fotografiert und sich kein Apple iPhone 11 Pro leisten kann oder will, trifft mit dem Xiaomi Mi Note 10 die richtige Wahl. Der 5.260 mAh starke Akku bedarf noch ein wenig Feintuning, kommt aber auch jetzt schon zwei Tage ohne Steckdose aus.

Echte Konkurrenz hat das Xiaomi-Smartphone eigentlich nur aus eigenem Hause, sofern die Kamera keine Favoritenrolle beim Kauf ein nimmt. Oder einem Einkauf bei Handingo. Denn wir bieten bereits von Hause aus bis zu 60 Prozent Rabatt vom Neupreis. Und das inklusive 2 Jahren Gewährleistung. Als Beispiel wäre hier das Xiaomi Mi 9 zu nennen, was aktuell mit Snapdragon 855 und 6/128 GB für knapp 400 Euro zu bekommen ist. 

108 Megapixel Test Xiaomi Mi Note 10

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